Warum ein Spiel mit Futzalarm eine ziemlich fröhliche Angelegenheit ist

Das kooperative Spiel Gänsemarsch ist für Kinder ab 3 Jahren geeignet.
Es ist erstmals 2009 bei HABA erschienen.

Nun ist es in überarbeiteter Fassung wieder da: Nach wie vor ist es eines meiner liebsten Spiele.
Denn Gänsemarsch ist eines der Spiele, an das ich sehr sehr viele schöne Erinnerungen aus Testsituationen und Gesprächen habe.

Göttingen

Gänsemarsch habe ich HABA 2007 auf dem Göttinger Spieleautor*innentreffen vorgestellt.
Es gefiel der Spieleredaktion … und wurde 2009 veröffentlich.  

Das Spieleautor*innentreffen findet am 1. Juniwochenende 2023 statt, es steht also gerade wieder vor der Tür.
In meinem Werkstattatelier sind darum Prototypen und auch die Spuren der handwerklichen Vorbereitungen nicht zu übersehen.
Diese Prototypen werde ich in Göttingen Verlagsvertreter:innen zeigen, das eine oder andere Spiel gemeinsam spielen und auch auf die Reise zum Verlag schicken.
Was nicht heißt, dass sicher ist, dass das dieses eine oder andere Spiel in einer Schachtel landet und veröffentlicht wird.
Wie lange so ein Spiel unterwegs sein kann, habe ich hier und hier beschrieben.
Aber es heißt, dass dieses eine oder andere Spiel die erste Stufe geschafft hat.
Was in Göttingen geschieht, haben Andrea Meyer und ich 2011 in ein Lied verwandelt – die Infos und den Link zum Nachhören gibt es unten in diesem Beitrag.

Worum geht es im Spiel Gänsemarsch?

Die Kinder decken Karten mit Tieren auf. Sind es Gänse, wird eine kleine Bewegungsübung nachgemacht – entweder alleine, zu zweit … oder als Gruppe.
Letzteres ist die namensgebende Aktion: Wer die Gänsemarschkarte aufgedeckt hat, darf vorangehen, alle anderen müssen folgen.
Die Kinder spielen gemeinsam … gegen den Fuchs. Auch er ist auf einigen Karten zu sehen.
Wird eine Fuchskarte aufgedeckt, laufen die Kinder einmal um den Tisch und rufen „Fuchsalarm!“.
Die Fuchsfigur rückt dann eine Karte weiter.
Die Kinder gewinnen, wenn sie es schaffen, jede der Übungen mindestens einmal gemacht zu haben, bevor der Fuchs seine Runde beenden kann.
Das Spiel ist für Kinder ab 3 – entsprechend ist ausschließlich Glück im Spiel.

Unterwegs im Gänsemarsch

Die meisten Kinder finden es toll, vorausgehen zu dürfen.
Und sie folgen auch gerne dem vorangehenden Kind.
Meistens.
Mehrmals bereits hatte ich das Spiel im Garten der KiTa getestet, also mit Kindern im KiTaalter gespielt.
Allerdings wurden die Gänsemärsche in dieser Gruppe immer länger.
Vor allem, wenn Greta vorneweg ging. Das fanden die anderen irgendwann zu anstrengend.
Und so kam es, dass, als wieder Greta wieder einmal die Gänsemarschkarte aufdeckte, alle anderen schrieen:
„NNNNEEEEEIIIIN, nicht schon wieder Greta!“
Und ich mich bemühte, Greta zu einer kleinen Runde im Gänsemarsch zu bewegen.
Also nur genau einmal um die Sandkiste.
Nicht um die Sandkiste, um die Schaukeln, durch die Bäume, am Zaun entlang …

Lautes Gekreisch

Es geht in dem Spiel nicht nur um Bewegung und Kooperation, sondern auch um Emotionen.
Besonders, wenn die Fuchskarte aufgedeckt wird.
Denn das ist klar: Der Fuchs ist der Feind der Gänse.
Die Emotionen kochen hoch … und die Kinder können diesen Stress in Bewegung und Stimme umsetzen:
Einmal um den Tisch laufen und “Fuchsalarm!“ rufen.
Das Rufen fällt meist sehr sehr laut und fröhlich aus.
Aber das Spiel schafft es auch, die Kinder wieder ruhig werden zu lassen.
Ein Glücksfall war es, dass ich bei einer Spielerunde das Aufnahmegerät mitlaufen ließ:
„ ... und was kommt jetzt? Vielleicht ein Fuchs?“ ruft ein Mädchen immer wieder.
Und als er endlich kommt, kommt das, was meistens kommt:
Die Kinder rufen, schreien und kreischen. Hier kann das Audio auf soundcloud nachgehört werden.

Futzalarm!

Auf einer Veranstaltung für Logopädie sagte mir eine Logopädin:
„Wissen Sie, meine kleine Tochter liebt das Spiel. Und sie ruft immer: Futzalarm!!!! Natürlich sollte ich das als Sprachexpertin korrigieren. Aber ich kann einfach nicht …“

Immer mehr Kinder

Bei einer Testrunde spielten wir im Flur der KiTA, weil kein Raum frei war.
Wir waren laut und fröhlich, und so gingen nach und nach die Türen zu den angrenzenden Gruppenräumen auf.
Und es wurden immer mehr Kinder, die mitgemacht haben.
Test bestanden: Das war mir bei diesem Spiel schnell klar.

Immer mehr Kinder, das gilt auch ganz allgemein für dieses Spiel.

Meine Spiele gehören nicht zu denen, die JedeR kennt oder zuhause hat.
Wenn mich Leute fragen, ob sie wohl Spiele von mir kennen, sage ich darum meistens: Vielleicht.
Einige Verlage, bei denen ich Spiele veröffentlicht habe, kennt JedeR.
Dann frage ich die Fragesteller:innen, ob sie selbst Kinder haben oder mit Kindern arbeiten.
Wenn sie nicken, nenne ich die Titel, mit der höchsten Trefferwahrscheinlichkeit:
Gänsemarsch, Hase hüpf und Karla Kuchenfee.


Sidefacts

Gesang für Göttingen

Das Göttinger Spieleauor:innentreffen gibt nun schon seit mehr als 40 Jahren.
2011, zum 30jährigen Jubiläum, haben Andrea Meyer und ich dem Krimaltango einen neuen Text verpasst.
Er beschreibt, was in Göttingen passiert und kann hier nachgehört werden.
Ebenfalls bei der Aufnahme anwesend: Hajo Bücken.

Hajo Bücken

Auch mit ihm durfte ich singen – als Duettpartnerin.
Für Die große Ratz-Fatz Sinneswelt, erschienen 2012 bei HABA. Hier gibt es eine Hörprobe.

2016 verstarb Hajo nach kurzer, schwerer Krankheit.
Hajo und mich verband eine langjährige, aus einer guten Zusammenarbeit entstandene Freundschaft.
Einen Text darüber und auch, welche Rolle das Spiel Ratz-Fatz dabei spielt, kann hier nachgelesen werden.


Die Eckdaten

Gänsemarsch
Verlag: HABA
Spieleautorin: Anja Wrede
Illustration: Gabriela Silveira


... hat die Tür im Juni 2020 geschlossen

Liebe Mitspieler:innen, liebe Kund:innen,

ich habe meine Tätigkeit als Verlegerin Mitte des Jahres 2020 beendet.

Karla Kuchenfee“, „Schnuffi, wuff“, „Froschlaune“ – so heißen einige der Spiele, die in der Edition Siebenschläfer seit 2009 erschienen sind.
Produkte wie der Entscheidungswürfel für Tierbesitzer: „Wer geht mit dem Hund raus?“, und „Wer kümmert sich um Katzenklo“ gehörten ebenso zum Programm des Verlages wie Mutmacherkärtchen und fröhlich gestaltete Postkarten.

In kleinen Auflagen, sorgfältig von mir gestaltet und besonders am Bedarf von Logopäd:innen, Erzieher:innen und Therapeut:innen orientiert, hat der Verlag eine Nische besetzt.
Denn neben dem Spielspaß und der ansprechenden Gestaltung haben alle Spiele besondere Qualitäten: Sprach- oder Bewegungsförderung, der Umgang mit Gefühlen – alle Inhalte sind so verpackt, dass Fachleute das Potential auf den ersten Blick erkennen.

Meine Entscheidung steht schon seit Anfang des Jahres fest und hat nichts mit der Corona Pandemie und deren Auswirkungen zu tun.
Beeinflusst hat die Pandemie allerdings die Pläne einer fröhlichen Abverkaufsparty:
Die konnte 2020 leider nicht stattfinden.

 

Ich habe auch als Verlegerin richtig, richtig viel gelernt.
Aber nach mehr als 10 Jahren, die gespickt waren mit vielen Erfahrungen, möchte ich meinen beruflichen Schwerpunkt wieder verändern.
Ich möchte mich wieder mehr dem Entwickeln von Spielen, on- und offline Workshops und anderen Konzepten widmen.

Und: Ich freue mich sehr, dass Karla Kuchenfee nach wie vor in anderen Ländern zu haben ist.
Die Rechte an den meisten Spielen liegen ja nach wie vor bei mir. Die Rechte an Twiga und Ping, Pang Pong liegen bei Claudia Hartmann und mir.

Diese Zeiten sind für niemanden einfach.
Drücken wir uns gegenseitig die Daumen, dass wir gemeinsam auch diese Krise überstehen.

Bleibt gesund, bleibt fröhlich und spielt weiter!

 

Herzliche Grüße,

Anja Wrede


Ein Artikel zum Thema Sprachförderung ist in der Zeitschrift KiTA aktuell (BW, Ausgabe 1/2018) erschienen:
Die Sprache ins Spiel bringen

Ein weiterer, ebenfalls in der KiTA (BW, Ausgabe 3/2018) aktuell erschienen, beschäftigt sich mit den Kompetenzen, die Kinder beim Spielen benötigen bzw. erwerben:
Warum sind die Kleinen beim Memory® ganz groß?
Dieser Artikel basiert auf meinem gleichnamigen Fachvortrag.


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